Vespa Motoren

Zweitaktmotor, Überströmkanäle, Drehschieber, Vergaser, Zündung und Getriebe – die klassische Vespa-Motortechnik einfach erklärt.

Das Herz der klassischen Vespa

Der klassische Vespa-Motor ist ein kompakter Einzylinder-Zweitaktmotor, bei dem Motor, Kupplung und Getriebe zu einer kompakten Einheit zusammengefasst sind.

Gleichzeitig bildet der Motor einen wesentlichen Teil der Hinterradaufhängung. Das Hinterrad sitzt direkt am Motor – eine Konstruktion, die wesentlich zur charakteristischen Bauweise der Vespa beiträgt.

Obwohl dieses Grundprinzip über Jahrzehnte erhalten blieb, entwickelte Piaggio die Motoren kontinuierlich weiter: mehr Hubraum, zusätzliche Überströmkanäle, andere Einlasssysteme, grössere Vergaser und modernere Zündanlagen.

1. Grundprinzip des klassischen Vespa-Motors

Die klassische Vespa verwendet einen luftgekühlten Einzylinder-Zweitaktmotor. Die Kühlung erfolgt über ein Lüfterrad, das Kühlluft unter die Lüfterradabdeckung und über den Zylinder führt.

Eine Besonderheit der Vespa ist die kompakte Integration von Motor und Kraftübertragung.

Zylinder Einzylinder-Zweitaktmotor in liegender beziehungsweise annähernd horizontaler Anordnung.
Kurbelgehäuse Dient beim Zweitakter gleichzeitig zur Vorverdichtung des Frischgases.
Kupplung Überträgt die Motorkraft auf das handgeschaltete Getriebe.
Getriebe Je nach Modell drei oder vier handgeschaltete Gänge.
Lüfterrad Erzeugt den Luftstrom zur Kühlung des Motors.
Hinterrad Sitzt direkt an der Motoreinheit.

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2. Wie funktioniert der Vespa-Zweitaktmotor?

Beim Zweitaktmotor findet ein vollständiger Arbeitszyklus während einer Kurbelwellenumdrehung statt.

1 Ansaugen & Vorverdichten
2 Überströmen
3 Verdichten
4 Zünden & Arbeiten

Frischgas im Kurbelgehäuse

Das Kraftstoff-Luft-Gemisch gelangt zunächst in das Kurbelgehäuse. Durch die Bewegung des Kolbens wird es dort vorverdichtet.

Öffnen die Überströmkanäle, strömt das Frischgas aus dem Kurbelgehäuse in den Zylinder.

Gemischschmierung

Beim klassischen Zweitaktmotor übernimmt das dem Kraftstoff zugesetzte Zweitaktöl die Schmierung wichtiger Motorbauteile.

Je nach Modell und Baujahr wird das Öl direkt dem Benzin beigemischt oder bei entsprechend ausgestatteten Modellen über eine Getrenntschmierung dosiert.

Das richtige Mischungsverhältnis ist modellabhängig.
Bei historischen Vespa sollte das vorgeschriebene Mischungsverhältnis des konkreten Motors beachtet werden. Nicht jede klassische Vespa verwendet automatisch dieselbe Mischung.

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3. Was bedeutet 2-Kanal oder 3-Kanal?

Die Begriffe 2-Kanal und 3-Kanal beziehen sich bei klassischen Vespa auf die Überströmkanäle, durch die das vorverdichtete Frischgas aus dem Kurbelgehäuse in den Zylinder gelangt.

2

2-Kanal

Zwei Hauptüberströmkanäle führen das Frischgas in den Zylinder.

Diese Bauart findet man bei zahlreichen älteren Vespa-Motoren.

3

3-Kanal

Zusätzlich zu den beiden Hauptkanälen besitzt der Zylinder einen weiteren Überströmkanal.

Dadurch kann die Spülung beziehungsweise Zylinderfüllung verbessert werden.

Kann man die Kanäle von aussen erkennen?

Nicht zuverlässig. Um sicher festzustellen, welche Überströmkanäle Motorblock und Zylinder besitzen, muss man den konkreten Motortyp kennen oder den Zylinder beziehungsweise die entsprechenden Überströmöffnungen betrachten.

Besonders bei alten Vespa ist Vorsicht geboten: In mehreren Jahrzehnten können Motor, Zylinder oder andere Komponenten ausgetauscht worden sein.

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4. Kolbengesteuerter Einlass & Drehschieber

Neben den Überströmkanälen ist auch die Art der Einlasssteuerung ein wesentliches Merkmal eines Vespa-Motors.

Kolbengesteuerter Einlass

Der Kolben selbst öffnet und schliesst während seiner Bewegung den Einlass.

Dieses Prinzip findet man unter anderem bei frühen Vespa-Motoren und sportlichen Modellen wie der 180 Super Sport.

Drehschieber

Bei der Drehschiebersteuerung wird der Einlass durch die Kurbelwelle und eine genau bearbeitete Dichtfläche im Motorgehäuse gesteuert.

Dieses System wurde bei vielen späteren klassischen Vespa verwendet.

Warum ist die Drehschieberfläche wichtig?

Die Dichtfläche im Motorgehäuse muss in gutem Zustand sein. Starke Beschädigungen können die Einlasssteuerung und damit den Motorlauf beeinträchtigen.

Bei einem geöffneten Vespa-Motor sollte dieser Bereich deshalb sorgfältig kontrolliert werden.

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5. Vespa Vergaser

Der Vergaser erzeugt aus Kraftstoff und Luft das Gemisch, das der Motor für die Verbrennung benötigt.

Vespa verwendete über die Jahrzehnte verschiedene Vergasertypen und Grössen.

SI-Vergaser bei Largeframe

Besonders bekannt ist die Dell'Orto-SI-Baureihe, die bei zahlreichen klassischen Largeframe-Modellen zum Einsatz kommt.

SI 20/17 klassische SI-Ausführung bei verschiedenen älteren Modellen
SI 20/20 weit verbreitete Vergasergrösse bei klassischen Largeframe
SI 24/24 grössere SI-Ausführung bei leistungsstärkeren Motoren

Was bedeuten beispielsweise 20/20?

Die Zahlen kennzeichnen die Dimensionierung des Vergasers. Für die genaue Ausführung ist jedoch zusätzlich der vollständige Vergasertyp wichtig.

Die Hauptdüse

Die Hauptdüse beeinflusst vor allem die Gemischaufbereitung bei stärker geöffneter Drossel beziehungsweise im höheren Lastbereich.

Wird Zylinder, Auspuff oder Vergaser verändert, muss die Bedüsung häufig angepasst werden.

Bei Motoränderungen nicht einfach die Serienbedüsung übernehmen.
Zylinder, Auspuff, Vergaser, Luftfilter, Zündung und weitere Faktoren beeinflussen die notwendige Vergaserabstimmung.

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6. Vespa Zündung

Die Zündung erzeugt zum richtigen Zeitpunkt den Zündfunken an der Zündkerze.

Bei klassischen Vespa findet man grundsätzlich unterschiedliche Zündsysteme.

Kontaktzündung klassische Technik

Ein mechanischer Unterbrecherkontakt steuert den Zündzeitpunkt.

Elektronische Zündung spätere Entwicklung

Arbeitet ohne mechanischen Unterbrecherkontakt und reduziert damit dessen Verschleiss und Wartungsbedarf.

Zündzeitpunkt vor OT

Der Zündfunke wird bereits ausgelöst, bevor der Kolben den oberen Totpunkt erreicht.

Der Zündzeitpunkt wird deshalb häufig in Grad vor OT angegeben.

Der korrekte Wert hängt vom jeweiligen Motor, Zylinder und Zündsystem ab.

Der Zündzeitpunkt ist kein universeller Vespa-Wert.
Ein Wert, der bei einem bestimmten Serienmotor richtig ist, muss bei einem anderen Zylinder oder einer geänderten Motorkonfiguration nicht passen.

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7. Was bedeutet ET3?

1976 erschien mit der Vespa 125 Primavera ET3 eine sportlichere Weiterentwicklung der Primavera.

Die Bezeichnung ET3 verweist auf zwei wichtige technische Merkmale:

E Elettronica Elektronische Zündung
T3 3 Travasi Drei Überströmkanäle

Die ET3 besitzt einen Zylinder mit drittem Überströmkanal und eine elektronische Zündung.

Dadurch wurde das bekannte Primavera-Konzept technisch weiterentwickelt. Zusammen mit dem leistungsstärkeren Motor und einem neuen Auspuff erreichte die ET3 bessere Fahrleistungen.

Typ VMB1T
Hubraum 121,16 cm³
Bohrung × Hub 55 × 51 mm
Motor 2-Takt
Überströmkanäle 3
Zündung elektronisch
Leistung ca. 7 PS
Vmax ca. 90 km/h

Mehr zur Baureihe: Vespa Smallframe .

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8. Kupplung & Getriebe

Klassische Vespa besitzen typischerweise eine Mehrscheibenkupplung und ein handgeschaltetes Getriebe.

Geschaltet wird über den linken Lenkergriff. Kupplungshebel und Drehgriff ermöglichen dabei das Kuppeln und den Gangwechsel mit einer Hand.

3-Gang bei verschiedenen frühen und kleineren Vespa-Modellen
4-Gang bei zahlreichen späteren und leistungsstärkeren Modellen

Warum ist die Übersetzung wichtig?

Nicht nur die Motorleistung bestimmt die Fahrleistung einer Vespa. Primärübersetzung, Gangabstufung und Reifengrösse beeinflussen Drehzahlniveau, Beschleunigung und erreichbare Geschwindigkeit.

Bei getunten Motoren muss deshalb auch die Übersetzung zur Motorcharakteristik passen.

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9. Vespa Motornummer & Motorcode

Neben der Rahmennummer besitzt eine klassische Vespa auch eine Motornummer beziehungsweise einen Motortyp.

Rahmen- und Motorkennzeichnung sehen sich häufig ähnlich, sind aber nicht identisch.

VNL2T
Rahmentyp

Das T steht bei klassischen Piaggio-Typencodes für den Fahrzeugrahmen beziehungsweise Telaio.

VNL2M
Motortyp

Das M kennzeichnet den Motortyp beziehungsweise Motore.

Rahmen und Motor immer getrennt prüfen.
Gerade bei jahrzehntealten Vespa kann der Motor irgendwann ersetzt worden sein. Eine passende Karosserie bedeutet deshalb nicht automatisch, dass noch der ursprüngliche Motortyp verbaut ist.

Mehr dazu: Vespa Rahmen- & Motornummern .

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10. Vespa Motoränderungen & Tuning

Die einfache und robuste Konstruktion klassischer Vespa-Motoren hat über Jahrzehnte eine grosse Tuning- und Zubehörszene entstehen lassen.

Typische Änderungen betreffen beispielsweise:

Zylinder mehr Hubraum oder andere Steuerzeiten
Vergaser grössere oder anders abgestimmte Ausführung
Auspuff andere Leistungscharakteristik
Zündung elektronisch oder verstellbarer Zündzeitpunkt
Kurbelwelle andere Einlasszeiten oder Hub
Übersetzung Anpassung an Leistung und Einsatzbereich

Ein Motor ist immer ein Gesamtsystem

Mehr Hubraum allein garantiert keinen gut funktionierenden Motor. Zylinder, Kurbelwelle, Vergaser, Bedüsung, Auspuff, Zündung und Übersetzung müssen zusammenpassen.

Nach technischen Änderungen müssen insbesondere Vergaserabstimmung und Zündzeitpunkt kontrolliert und auf die verwendeten Komponenten abgestimmt werden.

Strassenzulassung beachten:
Technische Änderungen können Einfluss auf Zulassung, Versicherung, Geräusch- und Abgasvorschriften haben. Entscheidend sind die Vorschriften des jeweiligen Landes.

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